Die Zukunft im Fluss

Im Gespräch mit Dr. Christian Damm über nachhaltiges Wassermanagement, Auenlandschaften und Klimaschutz

16.06.2026 – Intakte und abwechslungsreiche Fließgewässer und Feuchtgebiete schaffen wichtige Lebensräume für viele Tier- und Pflanzenarten. Zudem filtern Auen das Grund- und Oberflächenwasser, halten es in der Landschaft und sind als Rückhalteräume essentiell für den Hochwasserschutz. In Städten tragen Flüsse und Seen zur Verdunstung bei und kühlen die lokale Umgebungsluft ab. Grund genug also, unsere Gewässer und Feuchtgebiete zu schützen.

Dr. Damm steht in einer überfluteten Auenlandschaft.

Ein Mann, der sich besonders damit auskennt, ist Christian Damm vom Institut für Geographie und Geoökologie (IfGG) am KIT. Wir haben ihn zum Gespräch getroffen, um mehr über die Bedeutung von Feuchtgebieten zu erfahren, und auch, um herauszufinden, was wir alle im Alltag tun können, um das Klima und unser Ökosystem zu schützen.

Herr Damm, wie sind Sie zur Arbeit als Auenforscher gekommen? Und womit beschäftigen Sie sich am IfGG eigentlich genau?

Als ich ins Arbeitsleben einstieg, war die Auenforschung ein junges und besonders interdisziplinär aufgestelltes Feld. Ich komme ursprünglich aus der Botanik und habe in der Praxis gearbeitet, bevor ich über das Bundesprogramm chance.natur zur Deichrückverlegung an der Elbe mit der Auenforschung gestartet habe.

Am IfGG-Aueninstitut beschäftigen wir uns mit Flüssen, Auen und Feuchtgebieten sowie ihrer Bedeutung für Mensch und Natur. Wir betrachten Flüsse und Auenlandschaften als wichtige ökologische Systeme und mit unseren Projekten sind wir oft international tätig. So forschen wir beispielsweise an der Donau in Rumänien und im Amazonasgebiet. Mein Schwerpunkt liegt aktuell jedoch am Rhein, insbesondere in der Oberrheinregion.

Was sind aus Ihrer Sicht die größten Hürden beim aktuellen Umgang mit Wasser?

Ein zentrales Problem ist unser Management des Wassers. Wir leiten bis heute im Winter und Frühjahr große Mengen an Niederschlag schnell in den Rhein und im Sommer beklagen wir die Trockenheit in der Landschaft. Unsere Wasserbewirtschaftung ist an vergangene, sommerfeuchtere Klimaverhältnisse angepasst. Die Folgen sehen wir schon länger, aber sie werden viel zu langsam in Wäldern, in der Landwirtschaft und von Trinkwasserversorgern wahrgenommen.

Die Folgen sind für alle deutlich sichtbar und spürbar: Wälder leiden insbesondere in Hitzesommern unter Trockenheit, Ernten verlieren an Qualität und die natürlichen Lebensräume verändern sich dramatisch. Und das nicht nur in der direkten Umgebung von Flussauen.

Mann mit weißem T-Shirt und Hut steht in einer grünen Wiese unter bewölktem Himmel. Christian Damm, KIT
Zwei Personen an einem LKW mit Kran bei der Arbeit in einer Auenlandschaft.
Zum Schutz des Moors werden Entwässerungsgraben mit Sandsäcken verschlossen.

Feuchtgebiete, vor allem Moore, tragen zum Klimaschutz bei, denn sie speichern große Mengen CO₂. Wenn sie austrocken, können sie diese Funktion nicht mehr erfüllen. Das heißt, das CO₂ wird freigesetzt und damit tragen sie zur Klimakrise bei, anstatt ihr entgegenzuwirken. Alle Feuchtgebiete sind Wasserspeicher, kühlen die Landschaft, erhalten Biodiversität, dienen der Erholung und erfüllen somit viele sogenannte Ökosystemfunktionen, die uns Menschen dienen. Klimawandel und Trockenheit gefährden diese wertvollen Funktionen.

Wenn das Problem doch erkannt ist – woran scheitert die Umsetzung von Lösungen?

Das Bewusstsein, dass Wasser als Ressource unverzichtbar, knapp und kostbar ist, ist durchaus vorhanden. Was weitestgehend fehlt ist die Einsicht, wie dringend diese Angelegenheit ist und was unser aller Handeln im Alltag dazu tun könnte – und müsste. Gute Ansätze gibt es viele; wir wissen im Prinzip, was zu tun ist. Erschwerend ist allerdings, dass Wasser viele Sektoren gleichzeitig betrifft: Land-, Forst- und Wasserwirtschaft sowie Naturschutz, deren Verwaltungen, oft auch Industrie und letztlich auch alle Verbraucher. Diese Akteure miteinander zu verbinden und gemeinsame Ziele und Wege zu finden ist komplex und mit großem Aufwand verbunden.

Hinzu kommt, dass häufig Personen fehlen, die Verantwortung übernehmen und Prozesse aktiv vorantreiben wollen – also Menschen, die voran gehen und sich wirklich kümmern. Die technischen und wissenschaftlichen Fähigkeiten, Lösungen zu entwickeln, sind vorhanden, auch am KIT. Aber wir müssen sie stärker gewichten und in die Umsetzung bringen. Denn das Thema Wasser ist ein existenzielles. Vor unserer Haustür, zu unseren Füßen.

Was kann jede Person im Alltag tun? Können wir alle etwas beitragen oder geht es hier vor allem um Governance?

Jede Person kann etwas zum Positiven bewirken, das gilt in allen Bereichen des Ressourcenschutzes, nicht nur beim Wasser. Ein wichtiger Punkt ist Engagement – auch im Privaten, im persönlichen Umfeld, im politischen Bereich. Jeder Mensch kann sich einbringen und zeigen, dass ihm das Thema wichtig ist und auf diese Weise Einfluss nehmen.

Rastatter Bruch, ein Feuchtgebiet mit gelben Blumen und Bäumen im Hintergrund.
Rastatter Bruch

Darüber hinaus spielt der eigene Lebensstil eine Rolle: Passt es zu meinen Überzeugungen, wie ich lebe? Mit oft kleineren Veränderungen, wie beispielsweise Wassersparen im Alltag, ein bewussteres Konsumverhalten und weniger Urlaubsflüge können wir unseren ökologischen Fußabdruck reduzieren. Wasser ist stets auch eng mit dem Klimawandel verknüpft. Und aktuell sehen wir, dass viele Menschen zwar erfreulicherweise immer mehr darüber wissen, aber nun auch ins Handeln kommen müssen.

Vielen Dank für das Gespräch!

 

Weitere Informationen

Welttag der Feuchtgebiete

Am 2. Februar wird jedes Jahr der Welttag der Feuchtgebiete begangen. Der internationale Aktionstag erinnert an die Bedeutung von Mooren, Auen, Sümpfen und anderen Feuchtgebieten für Klima, Biodiversität und Wasserhaushalt. Anlass ist die Ramsar-Konvention, das erste internationale Umweltschutz-Übereinkommen, das 1971 im iranischen Ramsar zum Schutz der Feuchtgebiete unterzeichnet wurde. Feuchtgebiete zählen zu den artenreichsten Ökosystemen der Erde. Außerdem speichern sie Kohlenstoff, filtern Wasser und helfen dabei, Hochwasser und Dürren abzumildern. Gleichzeitig sind heutzutage viele dieser Lebensräume durch Entwässerung, intensive Landnutzung und den Klimawandel bedroht. Mehr erfahren

Zur Person

Dr. Christian Damm

Dr. Christian Damm ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Geographie und Geoökologie in der Abteilung Aueninstitut. Er forscht und lehrt zu Auenökologie, Fließgewässerökologie und Landschaftswasserhaushalt. Zuvor war er Projektleiter beim Naturschutzgroßprojekt „Lenzener Elbtalaue“.