Urban Transformation Conference 2025: Internationaler Austausch, Exkursionen, Netzwerken
08.12.2025 – „Stadt der Zukunft“ lautete das Motto der diesjährigen KIT Science Week im Oktober 2025. Das Thema bot vielerlei Anknüpfungspunkte für das KAT und so beteiligten sich die Forschenden aktiv am Programm der Wissenswoche.
Ein Highlight war dabei die internationale Forschungs- und Lernkonferenz „Urban Transformation 2025“, die gemeinsam vom Institut Entwerfen von Stadt und Landschaft (IESL) und vom Karlsruher Transformationszentrum für Nachhaltigkeit und Kulturwandel (KAT) organisiert wurde.
Zum dritten Mal richtete das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) die Science Week aus. Im Zweijahresrhythmus schafft die Woche ein vielfältiges Angebot für die Bevölkerung, um Einblicke in die wissenschaftliche Arbeit am Karlsruher Institut für Technologie und darüber hinaus zu erlangen. Die „Urban Transformation“-Konferenz verfolgte das Ziel, urbane Reallabore, Living Labs sowie andere Akteure aus Wissenschaft, Politik und Praxis aus aller Welt zusammenzubringen und einen produktiven Austausch über die Erfahrungen, Herausforderungen und Erfolge ihrer jeweiligen Arbeit zu ermöglichen.
Über ein Dutzend Reallabore aus Europa, Nordamerika, Südamerika, Asien und Afrika kamen hierfür zusammen und partizipierten mit Workshops, inspirierenden Vorträgen und lebhaften Diskussionsrunden neue Impulse zu setzen und den internationalen Austausch voranzutreiben.
Globale Perspektiven auf urbane Transformation
Thematisch waren die Programmpunkte dabei ebenso vielfältig wie die teilnehmenden Institutionen selbst. So erforscht etwa das Reallabor aspern.mobil LAB in Wien neue Formen klimafreundlicher Mobilität und testet gemeinsam mit der Bevölkerung innovative Lösungen wie Sharing-Angebote oder neue Logistikkonzepte. Das litauische Vilnius Living Lab CLIMAS widmet sich urbaner Transformation, indem es im ehemaligen Industriequartier Naujamiestis gemeinschaftsbasierte Experimente zu erneuerbaren Energien oder urbaner Landwirtschaft umsetzt. Beim City as Living Laboratory (CALL) aus New York stehen dagegen Architektur, Gestaltung und die kreative Verknüpfung von Kunst und Wissenschaft im Mittelpunkt. Reallabore aus dem Globalen Süden wiederum richten ihren Fokus häufig auf die Minderung und Bekämpfung von Armut und deren Folgen – ein eindrückliches Beispiel bietet das ACI Medellín Lab, das Wissen zu sozial inklusiver Stadtentwicklung vermittelt und zeigt, wie innovative Mobilitäts- und Bildungsangebote benachteiligte Stadtteile stärken können.
Einige Vorträge blieben den Teilnehmenden besonders im Gedächtnis. Den Eröffnungsvortrag hielt Prof. Dr. Uwe Schneidewind, der betonte, dass urbane Transformation ein vielschichtiges Zusammenspiel technologischer, wirtschaftlicher, politisch-institutioneller und kultureller Faktoren ist. In seiner Doppelperspektive als Wissenschaftler und ehemaliger Oberbürgermeister Wuppertals hat Schneidewind selbst erfahren, wie entscheidend lokale Narrative, langfristige Strukturen und die Einbindung der Zivilgesellschaft sind. Ebenso spannend war etwa der Programmpunkt von Maria Vassilakou, der ehemaligen stellvertretenden Bürgermeisterin Wiens, die von 2010 bis 2019 eine umfassende nachhaltige Stadtentwicklungsagenda verantwortete und maßgeblich an der Einführung des 365-Euro-Tickets für den ÖPNV beteiligt war. Die Expertin für urbane Transformationsstrategien erzählte auf der Konferenz von ihren wegweisenden Erfahrungen zwischen Politik und Transformation. Ebenso prägend war der Beitrag des Stuttgarter Stadtplaners Hannes Rockenbauch, der davon berichtete, wie städtische Verwaltungsapparate nachhaltige Projekte unterstützen – und auch abbremsen können.
Auch die Kontexte und Herausforderungen, mit denen sich die jeweils vorgestellten Reallabore konfrontiert sehen, unterscheiden sich deutlich: Forschende aus den USA haben derzeit etwa besonders mit der politischen Situation zu kämpfen und in vielen nicht-westlichen Regionen sind inoffizielle Siedlungen für die Stadtentwicklung von signifikanter Bedeutung. „Ein Reallabor aus Kolumbien schilderte, dass auch Gewalt und die Macht von Drogenkartellen eine wichtige Rolle in ihrer Forschungsarbeit spielten. Da sieht man sich natürlich mit ganz anderen Fragen konfrontiert, als wenn wir hier über Kleingärten oder städtische Energieversorgung sprechen“, erzählt der Nachhaltigkeitsforscher Richard Beecroft vom KAT.
Partizipation als Essenz von Reallaboren
Die Konferenz machte deutlich, dass Reallabore und Living Labs trotz ihres Potenzials ähnliche Schwierigkeiten bewältigen müssen. Sie arbeiten meist ressourcenintensiv und stehen nach Projektende vor der Herausforderung, tragfähige Strukturen für eine langfristige Nutzung ihrer Ergebnisse zu schaffen. Zudem ist die Einbindung vielfältiger Akteure zwar zentral, aber oft komplex, während rechtliche und politische Rahmenbedingungen den Projektverlauf maßgeblich beeinflussen können.
Bei aller thematischen und methodischen Vielfalt wurde auch erneut deutlich, dass Partizipation und die Beteiligung von Bürger:innen die Essenz von Reallaboren ausmachen – und das völlig unabhängig von Ländergrenzen oder kulturellen Unterschieden. Egal ob mit künstlerischen, naturwissenschaftlichen oder politischen Ansätzen, geht es am Ende doch um Forschung an, mit und für die Gesellschaft.
Ein nennenswertes Highlight der Konferenz bildeten außerdem die vielfältigen Exkursionen, die den Teilnehmenden unmittelbare Einblicke in lokale Reallabore und Transformationsprojekte ermöglichten. Statt urbane Transformation nur theoretisch zu diskutieren, konnte sie hier hautnah erlebt werden. Die gut besuchten Ausflüge führten etwa zum KAT-Reallabor „Quartier Zukunft – Labor Stadt“, wo die Gäste im „Zukunftsraum“ erfuhren, wie im Austausch mit der Zivilbevölkerung konkrete Experimente für eine nachhaltige Nachbarschaft entwickelt und erprobt werden. Auch der Ausflug zum Modellbau des Projekts „RoofKIT“ stieß auf großes Interesse. Bei diesem Konzept dreht sich alles um das große, bislang wenig beachtete Potenzial städtischer Dachflächen, um dort neue Wohnfläche zu erschließen und öffentliche Räume und Energieerzeugung in bestehende städtische Strukturen zu integrieren. Weitere Exkursionen führten zum „MobiLab“, dem mobilen Partizipationslabor des KIT in Form eines fahrbaren Tiny Houses, und dem Wissenstransfer-Projekt „corner“ mit der Ausstellung „DUO Wie Wohnen Wir? Jetzt / in Zukunft /gemeinsam / in der Stadt“.
Eine Konferenz mit Zukunft
Neben den inhaltlichen Einblicken prägte vor allem die offene, kontaktfreudige und zumeist optimistische Atmosphäre die Konferenz. Die Forschenden aus aller Welt kamen leicht miteinander ins Gespräch, tauschten Erfahrungen aus und knüpften neue Kontakte für mögliche Kooperationen. Viele Teilnehmende betonten, wie gewinnbringend dieser persönliche Austausch war – nicht nur für die eigene Forschung, sondern auch für das gemeinsame Verständnis davon, wie urbane Transformation weltweit gelingen kann.
Zum Konferenz-Abschluss bereicherte die Performance-Künstlerin Joa Magnolia den Abend auf besondere Weise: Sie verteilte Wunschkarten für den „Wünschebaum“ und lud die Teilnehmenden dazu ein, über Zukunftsvisionen und Erkenntnisse nachzudenken. Mit Fragen wie: „What are your wishes for your city of the future?“, „What are your take-aways from the conference?“ und „What should happen after this conference?“ schuf sie Raum zur Reflexion, der den gemeinsamen Ausklang atmosphärisch abrundete.
„Nun gilt es, aus den gemeinsamen Erlebnissen und ausgetauschten Erfahrungen wertvolle Erkenntnisse zu ziehen, damit wir dieses Wissen mit der internationalen Living Lab Community teilen können“, so die Nachhaltigkeitsforscherin und Konferenzorganisatorin Claudia Schreider. Im nächsten Schritt sei es deshalb essenziell, dass die neu geknüpften Kontakte gefestigt, gepflegt und auch in Zukunft weitergeführt werden. Auf diese Weise konnte die Konferenz neben dem gebotenen Austausch auch zum Aufbau eines internationalen Reallabor-Netzwerks beitragen, von dem alle Beteiligten auch in Zukunft profitieren werden.




