Reallabore in Baden-Württemberg: Tagung „Reallabore ‚on the road‘ – Bilanz und Ausblick“
28.07.2026 – Die Tagung in Stuttgart „Reallabore ‚on the road‘ – Bilanz und Ausblick“ gab Einblicke in die Reallaborarbeit der letzten zehn Jahre in Baden-Württemberg. Logisch, dass das KAT und seine Reallaborprojekte dort mit dabei waren. An gleich drei interaktiven Marktständen vom KAT konnten sich die Besuchenden informieren, austauschen und experimentieren. Weitere Eindrücke vermittelten ein Selbstexperimente-Workshop und eine Ausstellung am MobiLab.
Seit 2015 fördert das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg (MWK) Reallabore im Land. Auf der Tagung am 9. Juli 2026 wurde gemeinsam mit Reallabor-Aktiven Bilanz gezogen: Welche Erfolge haben Reallabore “made in the LÄND” vorzuweisen? Welche Veränderungen haben sie angestoßen? Wie reflektieren Reallabor-Beteiligte ihre Wirkung auf die Gesellschaft?
Eröffnet wurde die Tagung mit einem Poetry Slam von Louisa Bahl, einer Videobotschaft von Wissenschaftsministerin Petra Olschowski MdL, einem Grußwort von Stefan Landerer und einem Impuls des Fast Forward Theatres. Danach konnte der zentrale Marktplatz mit rund 15 interaktiven Ständen besucht werden. Die ausstellenden Reallabore konnten dort ihre Arbeit präsentieren, zum Mitmachen einladen und sich untereinander vernetzen.
KAT: Wie sieht das ideale Reallabor aus?
Am KAT-Stand konnten die Besuchenden das Reallabor „Quartier Zukunft – Labor Stadt“ kennenlernen, das seit 2012 in der Karlsruher Oststadt mit wechselnden Nachhaltigkeitsprojekten aktiv ist – und erfahren, wie man ein Reallabor institutionalisiert. Sehr beliebt war auch der Selbstexperimente-Generator, an dem die Besuchenden ein angeleitetes Selbstexperiment zu mehr Nachhaltigkeit im Alltag durchführen konnten. Wer mochte, konnte sein Experiment gleich an Ort und Stelle auf ein digitales Padlet hochladen oder sich dort Inspiration holen.
Das Format der Selbstexperimente wurde zudem vom KAT-Team in einem einstündigen „How to Experiment“-Workshop näher vorgestellt. Viele der Teilnehmenden kamen anschließend an den Marktstand, um das eben Gelernte gleich in die Tat umzusetzen.
Wer seine Ideen und Wünsche zu einem idealen Reallabor in einer idealen Welt loswerden wollte, konnte dies bei der Fotobox am Stand tun. Die Besuchenden wurden dann zusammen mit ihrem Statement abfotografiert. Dies bot auch gleich eine gute Gelegenheit, mit den Personen darüber ins Gespräch zu kommen.
R131: Ein Reallabor der ersten Förderlinie
Das vom KAT-Team betriebene „Reallabor 131 – KIT findet Stadt“ wurde als eines der ersten in Baden-Württemberg von 2015 bis 2017 vom MWK gefördert und war gewissermaßen ein "Ableger" des „Quartier Zukunft“. Als interaktives Element war am Marktstand das „Orakel von Karlsruhe“ – in Form des Wissenschaftlichen Mitarbeiters Andreas Seebacher – zu sehen: Es beantwortete spontane Fragen des Publikums zu Suche, Anmietung, Einrichtung und Ausübung eines Stadtteilbüros, wie dem Zukunftsraum für Nachhaltigkeit und Wissenschaft. Der Zukunftsraum ist bis heute Teil der verstetigten Reallaborinfrastruktur am KAT.
Eine Ausstellung mit Postern, Exponaten und einer Stadtkarte ergänzte den R131-Auftritt. Sie zeigte Nachhaltigkeitsexperimente, die zu „Gemeinschaft & Entschleunigung“ durchgeführt wurden:
- Beete & Bienen: Urbanes Gärtnern und Imkern
- Oststadttreff: Oststadtnachbarschaft
- SecondFuture: Secondhand-Label
- Kreativsalon: Tanz, Theater, Musik
KARLA: Klimaschutz vor Ort erproben
Der Stand von KARLA – das Karlsruher Reallabor Nachhaltiger Klimaschutz – zeigte eindrücklich, wie nachhaltiger Klimaschutz modellhaft in Karlsruhe beforscht, vorangetrieben und umgesetzt wurde. Vorgestellt wurde unter anderem IKonE, ein im Rahmen des Projekts entwickeltes Webtool zur Nachhaltigkeitsbewertung von (kommunalen) Klimaschutzmaßnahmen.
Das Reflexionstool „ReiseReflex“, vorgestellt vom Team des KARLA-Transformationsexperiments Klimaschonendes berufliches Reisen, stellte zur Diskussion, ob und wie Forschende aus Klimaschutzgründen noch reisen sollten.
Ein Team vom KARLA-Transformationsexperiment Klimafreundliche Kantinen stellte das Veranstaltungsformat „Future Bowl“ vor. Neben Vorträgen und Best-Practice-Beispielen aus der Region gab es dort die Möglichkeit zur Vernetzung.
Im Rahmen von KARLA wurde zudem der bis heute aktive Karlsruher Klimapakt initiiert. Es handelt sich um einen Zusammenschluss aller acht Hochschulen in Karlsruhe und der Stadt Karlsruhe. Klimaschutz und gemeinsames institutionelles Lernen wurden so institutionenübergreifend verstetigt.
Zu guter Letzt war am Stand der KARLA-Abschlussfilm zu sehen. Er zeigt einen „Umzug in die Zukunft“ und wurde im Sommer 2024 im Rahmen der öffentlichen Veranstaltung „Station Zukunft“ bei den Karlsruher Schlosslichtspielen gezeigt.
MobiLab: Wissenstransfer auf Rädern
Gut sichtbar vor den Tagungsräumen und mitten in der Fußgängerzone, konnte das MobiLab besucht werden. Das Mobile Partizipationslabor (MobiLab) entstand 2021 als eine transdisziplinäre Reallabor-Infrastruktur durch eine Kooperation des KAT am ITAS mit dem KIT-Zentrum Mensch und Technik. Es ist eine mobile Plattform für den Austausch von Wissenschaft und Gesellschaft und wird für Realexperimente, partizipative Forschung, Citizen Science und Wissenschaftskommunikation eingesetzt.
Im Rahmen der Tagung bildete das MobiLab ein Fenster nach außen in die Stadtgesellschaft. Neben Gesprächen mit Passant:innen gab es dort eine Poster-Ausstellung und Kurzfilme zu den teilnehmenden Reallaboren zu sehen.
Netzwerk Reallabore: Wirkungen der BW-Reallabore in THE WÖRLD
Um bessere Synergien zwischen den einzelnen Akteuren zu schaffen, hat sich 2019 auf Initiative des KAT aus dem Kreis der Reallaborbetreibenden das Netzwerk „Reallabore der Nachhaltigkeit“ gegründet.
Als Initiator und Gründungsmitglied des Netzwerks, war das KAT auch federführend für den Marktstand des Netzwerks verantwortlich. Dort wurde es dann mit Hammer, Nagel und Bindfaden handwerklich, was bei den Besuchenden gut ankam. Auf einer großen Karte konnten sie ihr Reallabor in Baden-Württemberg mit einem Fähnchen markieren sowie die Wirkungen festhalten, die daraus in Deutschland, Europa oder weltweit entstanden sind. Zudem konnten sie Angaben, wie beispielsweise zu Partner- oder Folgeprojekten und Dependancen machen und ebenfalls in die Karte stecken. Die Punkte wurden dann mit einer Schnur verbunden, um die Ausstrahlung zu verdeutlichen.
Einen schönen Abschluss der Tagung bot das Gespräch mit Gästen im Plenum. Sie diskutierten, welches Potenzial Reallabore haben, um die Praxis und die Gesellschaft zu verändern.
Wir bedanken uns beim gesamten Organisations-Komitee für diese schöne Tagung. Insbesondere bei Susann Neupert, Dr. Samantha Schramm (beide MWK), Petra Gerlach (evalag), Dr. Antonietta Di Giulio und Fürsp. Rico Defila (beide Universität Basel), sowie bei allen teilnehmenden Reallaboren und Besucher:innen für den intensiven Austausch.





















