Fuckup Night „Scheitern, aber gescheiter“: Ein Nachbericht
03.04.2026 – Die Teilnehmenden der ersten GTPF-Arbeitstagung im März 2026 hatten die Möglichkeit an einer Fuckup Night mit dem Titel „Scheitern, aber gescheiter“ teilzunehmen. Die Fuckup Night ist ein humorvolles Format, das den Blick bewusst auf das richtet, was in transdisziplinären Forschungsprojekten häufig unsichtbar bleibt: das Scheitern und das Lernen daraus.
Wie gehen wir damit um, wenn wir scheitern? Wie ist unsere Fehlerkultur? Wie können wir und andere aus Fehlern lernen? Die Fuckup Night beleuchtete diese Fragen ganz offen. In einem geschützten Raum wurde deutlich, wie produktiv es sein kann, Scheitern sichtbar zu machen und gemeinsam davon zu lernen.
Den Abend eröffnete Melanie Jäger-Erben mit einem humorvollen und zugleich pointierten Key-Input. Mit einem „Unterarm-Trainer“ und einem Partyhütchen veranschaulichte sie einige Herausforderungen der transdisziplinären Forschung: ein hoher Erwartungsdruck, unvorhersehbare Prozessdynamiken und Kommunikationsschwierigkeiten mit Projektträgern und Partnern. Ihr Appell: mehr Gelassenheit, Offenheit und Humor im Umgang mit dem unvermeidlichen Scheitern.
Ein anschließender kurzer Sketch von Pia Laborgne, Stefan Raich und Claudia Schreider griff humoristisch ein typisches Gespräch mit einem Projektträger auf – inklusive der oft widersprüchlichen Vorstellungen davon, was eigentlich als „erfolgreiche“ transdisziplinäre Forschung gilt.




Drei Scheiter-Stories aus der Praxis
Drei Teilnehmende waren bereit, ihre eigenen „Fuckups“ aus der Projektpraxis mit der Gruppe zu teilen:
Markus Egermann berichtete, dass die Aktivierung von Bürgerinnen und Bürgern zur Entwicklung eigener Zukunftsvisionen für die Dresdner Zukunftsstadt eine große Herausforderung darstellte. Besonders sichtbar wurde dies, als der entwickelte Werkzeugkoffer wieder aus dem Netz genommen wurde, weil die Stadt sich nicht länger zuständig sah – und damit ein zentraler Baustein der angestrebten Beteiligung wegfiel.
Friederike Asche schilderte die Entwicklung einer partizipativen Webseite, die technisch und prozessorientiert nicht funktionierte, aber wichtige Lessons Learned zu digitaler Beteiligung hervorbrachte.
Christine Hobelsberger erzählte aus der transdisziplinären Forschung von einem Problem, das sich im Projektverlauf als gar nicht existent herausstellte – eine Erfahrung, die grundlegende Fragen zur Problemdefinition und Zielklärung in transdisziplinären Projekten aufwarf.



Unterhaltsam, offen und lehrreich
Die Fuckup Night erwies sich als erfrischend ehrlich, unterhaltsam und gleichzeitig erkenntnisreich. Die verschiedenen Beiträge machten deutlich: Scheitern ist kein Ausnahmefall, sondern ein inhärenter Bestandteil transdisziplinärer Forschung. Durch den offenen Austausch entsteht wertvolles Wissen – für reflektiertere Projektpraxis, professionellere Kommunikation und letztlich bessere Forschung.
Die Veranstaltung wurde organisiert und konzipiert von Pia Laborgne und Claudia Schreider vom Karlsruher Transformationszentrum für Nachhaltigkeit und Kulturwandel (KAT) gemeinsam mit Stefan Raich, Hochschule Potsdam und Sebastian Rogga, ZALF. Sie fand statt im Rahmen der Arbeitstagung der Gesellschaft für transdisziplinäre und partizipative Forschung e.V. (GTPF) im März 2026.
